„Papa ist krank“ – Psychisch Kranker wirft Freundin und Sohn aus der Wohnung

Es ist ein sehr herausforderndes Jahr für Frau S. und ihren kleinen Sohn. Sie kann gar nicht genau sagen, wann es angefangen hat, dass ihr Partner sich plötzlich veränderte. Depressiv war er schon länger gewesen. Als sie schwanger war, sei er antriebslos geworden. „Er war nicht für mich da“, sagt sie traurig. Vielleicht ist er genetisch vorgeprägt. Auch die Mutter ihres Partners leide an Depressionen.

Dass er sich mit Drogen betäubte, habe sie erst später mitbekommen. Er habe viel gekifft, verbarg es irgendwann nicht mehr. Und dann habe er plötzlich „seltsame Sachen gemacht“. Cannabis kann Psychosen auslösen. Frau S. weiß noch, wie sie im vergangenen Winter einmal um 2 Uhr morgens aufwachte, weil sie das Wasser im Bad laufen hörte. Da habe er mitten in der Nacht ein Bad genommen. Als sie ihn fragte, was das denn solle, habe er ihr nicht geantwortet, sondern nur auf einen Punkt an der Wand gestarrt. Er habe Schlafstörungen gehabt und irgendwann nachts kaum noch geschlafen. Er habe sehr viel Geld ausgeben – Geld, dass er gar nicht hat. Und er sei immer aggressiver geworden. Bis er sie vor sechs Monaten sogar aus der Wohnung geworfen habe.

Manie und Depression wechseln sich bei der bipolaren Störung ab

Inzwischen weiß sie: Ihr Ex-Freund leidet an einer bipolaren Störung. Depressive und manische Phasen wechseln sich dabei ab. Wenn er manisch ist, lebt er in seiner eigenen Realität. Für Frau S. ist klar, dass sie kein Teil dieser Welt sein will. Das sei auch kein Leben für ein Kind, meint sie.

An dem Tag vor etwas mehr als sechs Monaten, als es zwischen Frau S. und ihrem Partner eskalierte und er sie Wohnung verwies, habe sie in Eile zwei Koffer vollgepackt – mit Kleidung für sich und ihren Sohn. Seine Lieblingskuscheltiere und ein paar Autos habe sie dazugelegt. Alles andere musste sie zurücklassen. Als sie ihren Jungen an dem gleichen Tag vom Kindergarten abholte, habe sie ihm erklärt: „Wir leben jetzt bei Oma.“ Ihr Sohn habe sie gefragt: „Warum können wir nicht nach Hause?“ Sie habe ihm geantwortet, dass das nicht gehe. Dass es an seinem Vater liegt, sagte sie ihm nicht. Aber das habe er sich denken können, meint sie. „Er hat gesehen, dass sein Papa krank ist.“ Nach einem Monat habe er dann aufgehört zu fragen.

Der Sechsjährige vermisse vor allem sein eigenes Zimmer und seine Spielsachen, weniger den Vater, glaubt die Mutter. Denn ein richtiger Papa, der Interesse zeigt an seinem Kind, sei ihr Ex-Freund nie gewesen. Wegen der Depression sei er immer stark auf sich fixiert gewesen. Er habe sich auf sein Kind gar nicht einlassen können.

Frau S. ist froh, dass sie bald bei ihrer Mutter ausziehen kann. Denn dort sei es viel zu eng. Die 26-Jährige schläft mit ihrem Sohn im Wohnzimmer auf dem Sofa. Ihr acht Jahre jüngerer Bruder lebe ebenfalls noch bei der Mutter, er hat eine Behinderung und ist pflegebedürftig. Ihr Bruder habe einen sozial-emotionalen Förderbedarf. Entsprechend belastet sei ihre Mutter bereits. Sie will ihr nicht auch noch weiter zur Last fallen.

Der Alleinerziehenden fehlen Möbel für die Wohnung

Endlich hat sie eine kleine Wohnung für sich und ihren Sohn gefunden. Sie werden ein Wohnzimmer und jeder ein eigenes Zimmer haben. Ein Glücksfall. Nur reicht der Zuschuss für die Einrichtung, den sie vom Jobcenter bekommen hat, bei weitem nicht aus. „Ich habe ja gar nichts“, sagt Frau S. Sie besitzt noch nicht mal Geschirr. Einige Möbel hat sie schon gekauft, wie Betten und Schränke, aber sie weiß nicht, wie sie die komplett leere Küche bestücken soll. Schränke, Elektrogeräte, ein Esstisch fehlen. „Solange ich keine richtige Küche habe, kann ich auch bei meiner Mutter nicht ausziehen“, sagt Frau S., die während ihrer damaligen Schwangerschaft ihre Arbeit im Verkauf aufgegeben hatte.

Ein diakonischer Träger hat sich hilfesuchend an die Aktion Weihnachten gewandt. Wir wollen Frau S. ihre Notlage erleichtern und ihr den Kauf einer günstigen Küchenzeile sowie der wichtigsten Möbel wie den Esstisch und eine Couch fürs Wohnzimmer ermöglichen. Auch den Kauf eines Schreibtischs für den Sohn, der gerade in die erste Klasse gekommen ist, will die Aktion Weihnachten ermöglichen.

So können Sie spenden

Spende Unter diesem Link können Sie direkt und unkompliziert für die Benefizaktion Aktion Weihnachten spenden: stn-hilft.de. Wer selbst überweisen will, die Konten lauten: Baden-Württembergische Bank, IBAN DE04 6005 0101 0002 3423 40, oder Schwäbische Bank, IBAN DE85 6002 0100 0000 0063 00. Sachspenden können wir aus logistischen Gründen leider nicht annehmen.

VereinDie Aktion Weihnachten leistet seit 54 Jahren unkompliziert Nothilfe. Außerdem fördert sie soziale Projekte in Stuttgart und der Region. Ermöglicht wird dies durch die großzügigen Spenden unserer Leserinnen und Leser sowie engagierter Unternehmen und Stiftungen. Alle Artikel zur laufenden Spendenaktion finden Sie unter www.aktionweihnachten.de.