In der Schwangerschaft deutete nichts darauf hing, dass das dritte Kind von Frau T. nicht gesund auf die Welt kommen würde. Und zunächst schien auch alles normal zu sein. Doch Jan wuchs viel schneller als andere Babys. Aus einem großen Säugling wurde ein „Riesenbaby“. Der Kinderarzt nahm zunächst an, die Mutter füttere zu viel. Doch das war es nicht. Als Jan ungefähr drei Jahre alt war, wurden bei ihm die Diagnosen Gigantismus und Autismus gestellt.
Jan ist bis heute außergewöhnlich groß und schwer für sein Alter. 120 Kilogramm wiegt der Zwölfjährige, 1,80 Meter ist er groß. Und er spricht nur ein einziges Wort: „Mama!“ Wenn er etwas haben will, macht er das auf seine Art deutlich. Dann nimmt er die Hand seines Gegenübers und zeigt auf das, was er will. Das macht er bei seiner Mutter und auch bei den drei Geschwistern. Frau T. hat nach Jan noch einen Sohn bekommen. Der ist gesund, sportlich und sehr intelligent. Ihr Jüngster habe schon vor der Einschulung addieren, subtrahieren, multiplizieren und dividieren gekonnt, erzählt Frau T. stolz.
Erst wenn der Fahrdienst steht, kann Jan wieder in die Schule
Jan besucht ein Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Er ist zum Zeitpunkt des Gesprächs allerdings seit vielen Wochen nicht mehr dort gewesen; inzwischen geht er wieder in die Schule. Es gibt immer wieder längere Phasen, in denen er nicht am Unterricht teilnehmen kann. Diesmal hat die lange Pause daran gelegen, dass erst ein eigener Fahrdienst organisiert werden musste. Jan hat einen anderen Stundenplan als seine Mitschüler. Nur drei Stunden pro Tag an drei Schultagen die Woche kann er in die Schule kommen. Die Schule meint, mehr würde den Jungen überfordern, zumal seine Bezugsperson gewechselt hat. Wenn Jan überfordert ist, kann er aggressiv werden. „Viele haben Angst vor ihm“, sagt Frau T.
Jan liebt das Wasser, es ist sein Element.
Foto: Privat
In der Wohnung der Familie gibt es neben der Wohnungstür nur eine einzige Tür – die von der Toilette. Alle anderen Türen hat Jan kaputt gemacht. Er ist geistig auf dem Niveau eines Dreijähren und hat entsprechend Trotzanfälle. Im Flur klafft ein großes Loch in der Gipswand. „Wenn er keine gute Laune hat, dann demoliert er alles“, sagt die 46-Jährige. Es war mal versucht worden, ihn medikamentös einzustellen, aber er habe die Mittel überhaupt nicht vertragen. Die Situation habe sich sogar verschlimmert. Sie versucht nun, mithilfe von Nahrungsergänzungsmitteln, die eine beruhigende Wirkung haben sollen, etwas zu bewirken.
Frau T. hat fast keine Pause von der Pflege ihres Sohnes. Nur wenn die große Tochter nach Hause kommt, die Jan „ohne Ende liebt“, kann sie schnell losflitzen und im Supermarkt einkaufen. Frau T. bleibt immer nur so kurz wie möglich fort. Etwas für sich macht sie schon gar nicht. Sie müsste eigentlich dringend zum Zahnarzt und zur Vorsorge – „ich habe keine Zeit dafür“.
Auch an diesem Vormittag ist Jan zuhause. Gegen 10.30 Uhr kommt er in die Küche. Der Junge ist eine Erscheinung. Frau T. schiebt ihn schnell ins Bad. Jan liebt das Element Wasser. Er setzt sich in die Wanne. Man hört ihn planschen. Wasser beruhigt ihn. Einmal die Woche geht inzwischen ein Familienhelfer mit Jan schwimmen. Es war nicht einfach, jemanden für diese Entlastung zu finden, der sich die Betreuung des großen Jungen zutraut. Für die Ferien in diesem Sommer hat Frau T. nur Absagen bekommen. Kein Träger der Behindertenhilfe traute sich zu, Jan einen Platz zu geben.
Aktion Weihnachten finanziert Laptop
Der Familienhelfer, der mit Jan schwimmen geht, ist kleiner als sein Schützling. Aber das ist kein Problem. Jan ist friedlich bei dem Mann, die Chemie zwischen beiden hat von Anfang an gestimmt. So ist diese Zeit, wenn die beiden im Schwimmbad sind, eine der wenigen, in denen die Mutter Luft holen und auch ihren anderen Kindern Aufmerksamkeit schenken kann.
Jan hat Pflegegrad 4, es gibt immer viel zu regeln und zu organisieren. Um die Unterstützungsleistungen besser in Anspruch nehmen zu können, die ihr zustehen, benötigt Frau T. einen Laptop. So kann sie leichter mit den verschiedenen Institutionen und der Pflegekasse kommunizieren. Ein diakonischer Träger aus Stuttgart hat deshalb einen Antrag bei der Aktion Weihnachten gestellt. Wir wollen der belasteten Mutter den Wunsch erfüllen.
Die Aktion Weihnachten
Spende Unter diesem Link können Sie direkt und unkompliziert für die Benefizaktion Aktion Weihnachten spenden: stn-hilft.de. Wer selbst überweisen will, die Konten lauten: Baden-Württembergische Bank, IBAN DE04 6005 0101 0002 3423 40, oder Schwäbische Bank, IBAN DE85 6002 0100 0000 0063 00. Sachspenden können wir aus logistischen Gründen leider nicht annehmen.
VereinDie Aktion Weihnachten leistet seit 54 Jahren unkompliziert Nothilfe. Außerdem fördert sie soziale Projekte in Stuttgart und der Region. Ermöglicht wird dies durch die großzügigen Spenden unserer Leserinnen und Leser sowie engagierter Unternehmen und Stiftungen. Alle Artikel zur laufenden Spendenaktion finden Sie unter www.aktionweihnachten.
