Drei Tage bewusstlos in der Wohnung – ein Wunder, dass Frau S. noch lebt

Nach einer Grippe ging es los. Frau S. hatte immer wieder und immer häufiger starke Kopfschmerzen. Über Monate. Sie ging zum Arzt, der wiegelte ab. „Er sagte, das liege am Eisenmangel“, erinnert sich die heute 45-Jährige. Aber die anderen Symptome, die er aufführte, hatte sie alle nicht. Nur die Kopfschmerzen.

Frau S. lebte damals in der Schweiz. Sie war vor neun Jahren nach Basel gezogen, nachdem ihr eine Großcousine von dem Leben dort vorgeschwärmt hatte. Die erste Zeit konnte sie bei der Verwandten günstig unterkommen. Drei Monate hatte sie als EU-Bürgerin Zeit, eine feste Stelle zu finden. Es klappte. Die gelernte Bürokauffrau begann, im Handel im Verkauf zu arbeiten, zog in eine eigene Wohnung, knüpfte soziale Kontakte. Alles lief gut – bis es mit den Kopfschmerzen losging.

Es ist ein Wunder, dass sie lebt

An einem Sonntag vor fünf Jahren eskalierte es. Sie brach bewusstlos in ihrer Wohnung zusammen. „Ich war drei Tage weg“, erzählt sie. An diese Zeit habe sie keine Erinnerungen. Später habe ihr Vermieter ihr berichtet, dass er geklingelt habe. Als sie nicht aufmachte, ging er wieder. Am vierten Tag schlug sie die Augen auf. Sie dachte, sie hätte geschlafen. „Ich habe gar nicht verstanden, was passiert ist“, erzählt sie. Sie weiß noch, wie sie dachte: „Den Schlaf habe ich aber gebraucht.“ Heute lacht sie darüber, wie sie solch „unsinnige“ Gedanken haben konnte. Denn die Situation war natürlich hochdramatisch. Es ist ein Wunder, dass sie lebt.

Weil sie damals weiterhin extreme Kopfschmerzen hatte, ging sie erneut – sehr wackelig auf den Beinen – zum Arzt. Der Weg sei eine Tortur gewesen. Dass sie ihn schaffte, ist ebenfalls ein Wunder. In der Praxis rief man sofort einen Rettungswagen. Mit Verdacht auf einen Schlaganfall kam die damals 40-Jährige ins Krankenhaus. Dort wurde eine (nicht impfbedingte) Hirnvenenthrombose festgestellt, die zu einer Hirnblutung geführt hatte. Frau S. hat die Bilder von ihrem geschädigten Gehirn gesehen: Als wäre da „ein Loch, tennisballgroß“, beschreibt sie es.

Erstaunlicherweise hatte sie kaum körperliche Symptome. Sie hatte nur leichte Gleichgewichtsstörungen. Aber sie habe nicht mehr lesen können, hinzu kamen starke Wortfindungsprobleme. „Ich wusste, was ein Hund ist, aber nicht mehr, wie das Wort heißt“, erklärt sie. Sechs Wochen lag sie im Krankenhaus – viel länger als die meisten der viel älteren Mitpatienten auf Station. Danach kam sie in eine Reha. In ihrem Entlassbrief habe das Wort „austherapiert“ gestanden. Sie ging dennoch zur Logopädin und machte enorme Fortschritte.

In Basel durchlief sie eine Wiedereingliederung, fasste aber nicht mehr Fuß auf dem Arbeitsmarkt. So fehlte die Basis, um in der Schweiz bleiben zu dürfen. Vor rund einem Jahr musste Frau S. nach Deutschland zurückkehren. Sie stellte ihre Möbel bei einem Bekannten in Basel unter, der ein Zimmer frei hatte und stieg in den Zug nach Stuttgart, der Ort, der ihr am meisten bedeutete. Ihre Mutter war zwischenzeitlich gestorben. Geschwister hat sie keine. Sie brauchte Hilfe. So ging sie in eine Frauenberatungsstelle, die sie im ersten Schritt an eine Notunterkunft vermittelte – für Frauen und Männer. Dort sei es schlimm gewesen. Sie schlief auf einem Stahlbett mit dünner Matratze und konnte nicht fassen, was mit ihr passiert war.

Sie hat kein Suchtproblem

Seit April lebt Frau S. nun schon in der vierten Unterkunft für Wohnungslose. Über das derzeitige Wohnheim beschwert sie sich nicht, sie habe sich gefühlt gesteigert und zudem Glück gehabt. Bei ihr auf dem Flur lebten ausschließlich Frauen, und die seien relativ ruhig. Die meisten hätten wie sie kein Suchtproblem und seien nur wegen der angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt in der Unterkunft gelandet oder seien wegen häuslicher Gewalt vor dem Partner geflohen. Zu acht teilen sie sich ein Bad und die Küche. Die Konflikte blieben im Rahmen, aber Frau S. würde liebend gerne ausziehen. Nur hat sie bisher keine Wohnung gefunden.

Erschwerend kommt hinzu, dass ihre Möbel nicht mehr bei dem Bekannten in der Schweiz bleiben können. Er will das Zimmer vermieten. Frau S. hat eine Möglichkeit aufgetan, die Möbel für für ein halbes Jahr einlagern zu können. Sie habe sich gute Möbel gekauft, zudem hänge ihr Herz daran. Sie hofft, innerhalb der Zeit endlich ein neues Zuhause zu finden. Die Lagerkosten sind zwar mit 240 Euro günstig, aber übersteigen ihre derzeitigen Möglichkeiten. Das Stuttgarter Wohnheim, in dem sie lebt, hat sich daher an die Aktion Weihnachten gewandt. Wir bitten um Spenden.

So können Sie spenden

Spende Unter diesem Link können Sie direkt und unkompliziert für die Benefizaktion Aktion Weihnachten spenden: www.stn-hilft.de. Wer selbst überweisen will, die Konten lauten: Baden-Württembergische Bank, IBAN DE04 6005 0101 0002 3423 40, oder Schwäbische Bank, IBAN DE85 6002 0100 0000 0063 00. Sachspenden können wir aus logistischen Gründen leider nicht annehmen.

VereinDie Aktion Weihnachten leistet seit 54 Jahren unkompliziert Nothilfe. Außerdem fördert sie soziale Projekte in Stuttgart und der Region. Ermöglicht wird dies durch die großzügigen Spenden unserer Leserinnen und Leser sowie engagierter Unternehmen und Stiftungen. Alle Artikel zur laufenden Spendenaktion finden Sie unter www.aktionweihnachten.de.