Mäuse, Ratten, Schimmel – Mutter von sieben Kindern lebt sehr prekär

„Insgesamt krebst die Familie immer am Rande der Mittellosigkeit herum.“ So beschreibt die Diakonische Bezirksstelle die Situation von Frau S. und ihren sieben Kindern (eins bis zwanzig Jahre). Das Haus in der Region Stuttgart, in dem sie leben, gehört der Stadt. Es ist alt, es gebe Mäuse, Ratten und Schimmel, erzählt die 40-Jährige. Sie muss mit Strom heizen, hat extrem hohe Rechnungen bekommen – und deshalb nun Schulden beim Jobcenter. Als die Waschmaschine kaputt geht, ist guter Rat teuer. Das Gerät ist alt und lässt sich nicht mehr reparieren, die Stadt gewährt ihr kein Geld für eine neue Waschmaschine.

Vor zehn Jahren kam Frau S. mit ihrem damaligen Mann und ihren fünf Kindern – das kleinste war gerade einmal zwei Jahre alt, das älteste zehn – aus dem Irak nach Deutschland. In einem viel zu kleinen Boot hatten sie mit rund 40 anderen Menschen die Überfahrt von der Türkei nach Griechenland gewagt, 3000 Euro hatten die Schwiegereltern dafür bezahlt. Schließlich landeten sie in der Region Stuttgart, wo sie seit 2018 in besagtem Haus leben, das keineswegs groß ist: Frau S. teilt sich dort mit ihren beiden jüngsten Kindern, die ein und drei Jahre alt sind, ein Zimmer.

Niemand möchte eine Ratte in der Wohnung.
Foto: IMAGO/Arnulf Hettrich

Gerne würde sie mit dem Vater der beiden zusammenziehen – von ihrem Mann hat sich Frau S. vor vier Jahren getrennt, Unterhalt zahlt er nicht. Doch obwohl ihr Partner seit 14 Jahren einen festen Job am Flughafen hat, reicht das Geld nicht für eine entsprechend große Bleibe, sondern nur für seine Wohnung und das Auto. So wohnen sie nach wie vor getrennt. „Aber er ist jeden Tag bei uns und kommt gut mit den Kindern klar“, sagt Frau S. „Er ist mir eine große Stütze.“

Neben der Wohnsituation macht der 40-Jährigen, die in ihrer Heimat als Krankenschwester gearbeitet hatte und hier gerne in ihren Beruf zurückkehren würde, besonders zu schaffen, dass sie immer wieder mittellos ist. Und das ist nicht ihr Verschulden. Beispielsweise bekam sie über mehrere Monate kein Kindergeld für die ältesten beiden Kinder, weil diese die Schule gewechselt haben. Für den Kindergeldantrag brauchte sie eine Schulbescheinigung – die gibt es aber erst mit Beginn des neuen Schuljahres. Bis der Antrag genehmigt war, vergingen Wochen.

Viele haben Schulden beim Jobcenter

Oder: Weil ihr Ausweis abgelaufen war, bekam Frau S. keine Leistungen vom Jobcenter – obwohl sie rechtzeitig eine Verlängerung beantragt hatte. Auch das bedeutete: über mehrere Wochen kein Geld. Diese Erfahrung habe sie nicht nur einmal gemacht, erzählt Frau S. Um irgendwie über die Runden zu kommen, bleibt ihr in solchen Phasen nichts anderes übrig, als Schulden zu machen. „Schulden beim Jobcenter sind Normalität“, konstatiert der Diakon und Sozialarbeiter von der Diakonischen Bezirksstelle.

„Das Problem ist, dass die Behörden nicht verzahnt sind“, ergänzt ein Sprecher des Diakonieverbandes. So kommt Frau S. aus dem Teufelskreis von Anträgen, verzögerter Genehmigung und Schuldenmachen nicht heraus. Wenn dann noch unvorhergesehene Ausgaben anstehen – wie die für die Waschmaschine – hat Frau S. keine Möglichkeit, sie zu stemmen. Die Diakonische Bezirksstelle hat sich wegen der Waschmaschine an die Aktion Weihnachten gewandt.

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VereinDie Aktion Weihnachten leistet seit 54 Jahren unkompliziert Nothilfe. Außerdem fördert sie soziale Projekte in Stuttgart und der Region. Ermöglicht wird dies durch die großzügigen Spenden unserer Leserinnen und Leser sowie engagierter Unternehmen und Stiftungen. Alle Artikel zur laufenden Spendenaktion finden Sie unter www.aktionweihnachten.de.