Frau I. hat drei Jobs und kommt doch nicht aus der Schuldenfalle

Dünn ist Frau I. geworden. Bekannte haben sie schon darauf angesprochen. Zehn Kilo habe sie mindestens verloren. Nicht nur, dass sie an Lebensmitteln spart. Sie bekommt kaum etwas runter. Frau I. schüttelt ungläubig den Kopf, während sie sich an ihrem Glas Apfelschorle festhält. Sie habe auch früher mal Schulden gehabt. „Aber ich habe es immer zurückzahlen können.“ Diesmal ist es anders. Die Schulden rauben ihr den Appetit – und den Schlaf. „Es ist ein Teufelskreis“, sagt sie.

Normalerweise geht Frau I. ungewöhnlich früh ins Bett, wenn der Abend gerade erst anfängt. Gegen drei Uhr morgens steht sie auf, um mit ihrem Hund durch die Straßen zu laufen. Sie liebt es, wenn die Stadt so friedlich da liegt. Alles schläft, nur sie und ihr Mischling sind wach und unterwegs. Doch in letzter Zeit schafft sie es nicht einzuschlafen. Entsprechend schwer fällt es ihr aufzustehen. Um fünf Uhr muss sie los zu ihrer Ausbildungsstelle.

Ihr Konto ist seit Monaten nicht mehr gedeckt

Fünf Kinder hat Frau I. geboren. Die zwei ältesten blieben nach der schwierigen Trennung von ihrem Mann bei den Großeltern, sie selbst zog damals vom Land nach Stuttgart, entfloh der Vergangenheit. Auch die anderen drei Kinder, die sie alleinerziehend groß zog, sind nun erwachsen und machen ihren Weg. Eines ihrer Kinder um Hilfe bitten? Das würde Frau I. nie tun. Sie sollen damit nicht belastet werden.

Frau I. hat fast immer gearbeitet, aber in ungelernten Jobs. Mal kam mehr im Monat zusammen, mal weniger. Mal hatte sie Anspruch auf mehr aufstockende Leistungen, mal auf weniger. Mal auf mehr Wohngeld, mal auf weniger. Aber immer war alles auf Kante genäht, sie konnte nie etwas zur Seite legen. Das ist jetzt ihr Problem. Denn Frau I. ist mit hohen Rückzahlungsforderungen vom Jobcenter beziehungsweise der Stadtkasse konfrontiert für die Zeiträume, in denen sie mehr verdiente. Auch die Kindergeldstelle fordert Geld zurück, weil sie den Anspruch für den jüngsten Sohn verloren hat, seit er arbeitet. Hinzu kommt eine hohe Nachzahlungsforderung ihres Energieanbieters, die sie über Raten abstottert. Ihr Konto ist schon seit Monaten nicht mehr gedeckt. So fallen immer wieder Gebühren an, weil zum Beispiel Handyrechnungen nicht abgebucht werden können. Jede Rückbuchung kostet. „Das läppert sich“, sagt Frau I. verzweifelt.

Drei Jobs an einem Tag sind zu viel – den Spüljob gibt sie auf

Frau I. hat lange Jahre als Zustellerin gearbeitet. Bei Regen, Schnee, Hitze war sie unterwegs, bis sie „kurz vorm Burn-out“ war. Inzwischen hat Frau I. eine Ausbildung zur Pflegehelferin angefangen. Samstags verdient sie sich weiterhin als Aushilfe bei ihrem alten Arbeitgeber etwas hinzu. Zusätzlich leert sie am Wochenende in einem Stuttgarter Park die Mülleimer auf Minijobbasis. Zwischenzeitlich hatte sie noch einen Spüljob samstagabends in einem Restaurant, aber die Belastung sei einfach zu hoch gewesen – drei Jobs an einem Tag, vier Jobs auf einmal. Den Spüljob gab sie auf.

Im Jahr 2026 wird sie fertig mit ihrer Ausbildung. Dann brechen hoffentlich leichtere Zeiten an. Als ausgebildete Pflegehelferin werde sie mehr verdienen und müsse keine weiteren Jobs mehr annehmen. Ihr Einkommen wird verlässlich. Die Ausbildung selbst fordert sie, macht ihr aber auch Freude. „Ich hätte nicht gedacht, dass mir die Pflege so gut gefällt“, sagt sie. Es sei eine sehr erfüllende Arbeit – die Dankbarkeit der pflegebedürftigen Bewohnerinnen und Bewohner groß. „Wenn sie einen anlächeln, das ist einfach schön.“

Die Perspektive ist also gut – bleiben die Sorgen wegen der Schulden, von denen Frau I. nicht weiß, wie sie sie decken soll. Sie spart schon an Strom und Gas, dreht die Heizung weniger auf als früher, stattdessen wickelt sie sich in eine Decke. Sie hofft, dass die nächste Jahresabrechnung eine positive Nachricht bringt. Doch alleine wird sie aus der Schuldenspirale nicht herauskommen, ist man sich auch bei der Schuldnerberatung sicher. Ihr Schuldnerberater hat deshalb einen Antrag bei der Aktion Weihnachten gestellt. Wir wollen Frau I. helfen bei ihrem Neustart.

So können Sie spenden

Spende Unter diesem Link können Sie direkt und unkompliziert für die Benefizaktion Aktion Weihnachten spenden: stn-hilft.de. Wer selbst überweisen will, die Konten lauten: Baden-Württembergische Bank, IBAN DE04 6005 0101 0002 3423 40, oder Schwäbische Bank, IBAN DE85 6002 0100 0000 0063 00. Sachspenden können wir aus logistischen Gründen leider nicht annehmen.

VereinDie Aktion Weihnachten leistet seit 54 Jahren unkompliziert Nothilfe. Außerdem fördert sie soziale Projekte in Stuttgart und der Region. Ermöglicht wird dies durch die großzügigen Spenden unserer Leserinnen und Leser sowie engagierter Unternehmen und Stiftungen. Alle Artikel zur laufenden Spendenaktion finden Sie unter www.aktionweihnachten.de.